Logistik-Bereich
Branche

Straßengüterverkehr der Zukunft

Relevante Trends

Logistik bedeutet Wandel – heute mehr als je zuvor. Spürbar ist dieser Wandel auch im Segment des Straßengüterverkehrs: Zahlreiche innovative Technologien erscheinen auf dem Markt, verstärkt werden digitale Daten genutzt und Start-ups erhalten hohe Unternehmensbewertungen. Doch wie geht die Reise weiter? Was sind die Trends von morgen? Wie sollten Unternehmen darauf reagieren, um einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen? Diese Fragen greift der Beitrag auf, indem er fünf relevante Trends, die den Straßengüterverkehr der Zukunft prägen, vorstellt.

Handlungsdruck durch digitale Start-ups

Der europäische Speditionsmarkt ist maßgeblich durch Fragmentierung geprägt. Im Jahr 2020 waren etwa 47.000 Firmen im gewerblichen Güterkraftverkehr in Deutschland tätig – davon circa 36.000 mit zehn oder weniger Fahrzeugen [1]. Mangelnde unternehmensübergreifende Koordination führt zu erheblichen Ineffizienzen, die sich vor allem in Form von Leerfahrten zeigt. Das Kraftfahrtbundesamt beziffert diese mit etwa 6 Milliarden Kilometern, was einem Viertel der gefahrenen Gesamtkilometer in Deutschland entspricht [2]. Die Kombination aus In­effizienzen und hohem Kostendruck hat smarte Gründer auf den Plan gerufen. Sie sehen die Ineffizienzen als Chancen – nicht als Risiken – und versuchen, diese mithilfe digitaler Technologie in ein profitables und skalierbares Geschäftsmodell umzuwandeln. Signifikante Wagniskapitalinvestitionen und hohe Bewertungen unterstreichen ihr Potenzial. Zwischen 2014 und 2019 wuchsen die Investitionen in Logistik-Startups um das 17-fache [3]. Außergewöhnliche Beispiele finden sich auch am Logistikstandort Deutschland. Beispielsweise erreichte die digitale Spedition sennder GmbH Anfang 2021 aufgrund eines Firmenwerts von mehr als 1 Milliarde US-Dollar den sogenannten Status als „Unicorn“.

„The best way to predict the future is to create it.“

Die einzige Konstante in der Welt ist die Veränderung. Neue digitale Technologien, neue Wettbewerber und sich ändernde Kundenbedürfnisse erfordern von Unternehmen im Logistikumfeld ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit. Im besten Falle reagieren sie auf Veränderungen nicht zeitgleich mit dem Wettbewerb, sondern erkennen Signale vor den Konkurrenten, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern [4]. Damit Unternehmen im Sinne des vorgenannten Zitats, das Abraham Lincoln zugeschrieben wird, handeln können und die Zukunft vorausschauend gestalten, müssen sie zunächst verstehen, in welchen Märkten wann welcher Trend relevant wird. So lassen sich nicht nur Risiken senken, sondern vor allem die Chancen für Innovationen wirtschaftlich ausbeuten, beispielsweise im Hinblick auf neue Dienstleistungen auf Basis digitaler Daten. Aber wie lassen sich relevante Trends identifizieren und wie sollten Unternehmen darauf reagieren?

 

Trendforschung und Innovationsmanagement

Ein Trend ist die Grundrichtung einer Zeitreihe, also eine über einen gewissen Zeitraum zu beobachtende Entwicklung. Auf dieser Basis lässt sich eine wahrscheinliche Entwicklung des beobachteten Phänomens wie etwa das Volumen des Straßengüterverkehrs mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit in die Zukunft projizieren. Allerdings fällt es Unternehmen in der Informationsflut der digitalen Medienwelt schwer, langfristige Veränderungen des Marktes frühzeitig „herauszufiltern“. Hypes im Sinne kurzfristiger Modeerscheinungen komplizieren das Erkennen langfristiger Trends. Entsprechend wird oft „auf Sicht“ auf das direkte Umfeld reagiert, statt vorausschauend und zielgerichtet zu handeln.

Trendforschung und Innovationsmanage­ment sollen auf Basis zukünftiger Entwicklungen frühzeitig Marktpotenziale erkennen und systematisch Lösungen für die Welt von Morgen ableiten [5]. Sie schaffen die Einsichten, um Prozesse, Produkte und Dienstleistungen vorausschauend auszugestalten. Im Kern geht es um die Beantwortung der Frage, was passieren wird und wie das Unternehmen darauf reagieren soll, um Wettbewerbsvorteile zu generieren. Aber wie lassen sich aus Trends strategische Handlungsfelder ableiten? In einem ersten Schritt sind mögliche Trends zu identifizieren und in Bezug auf ihre Bedeutung für die Branche zu bewerten. In einem zweiten Schritte werden die Trends im Hinblick auf mögliche Auswirkungen untersucht, beispielsweise über die Analyse möglicher Szenarien. In einem dritten Schritt ist die Frage zu beantworten, was ein Trend konkret für marktrelevante Innovationen des eigenen Unternehmens bedeutet, etwa welche neuen Leistungsangebote für zukünftige Kundenbedürfnisse zu entwickeln sind oder welche Prozesse mit einer digitalen Technologie zu optimieren sind.

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Autor: Maximilian Stahl, Prof. Dr. Carsten Feldmann und Prof. Dr. Michael Dircksen

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