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Intelligente Lastenradlogistik

Perspektiven

Lastenräder als emissionsfreies, flexibles und kleinteiliges Transportmittel besitzen ein hohes Potenzial zur Lösung der vielschichtigen Herausforderungen urbaner Logistiksysteme. Zur effizienten Integration in Logistik(ketten) unter einer zunehmenden Digitalisierung ist jedoch Intelligenz und Vernetzung erforderlich. Dieser Beitrag fokussiert auf Informations- und Kommunikationstechnologien als Enabler einer technischen Intelligenz in der Lastenradlogistik.

 

1 Das Lastenrad als urbanes Transportmittel
Die Stadt als Akkumulationspunkt von Angebot und Nachfrage logistischer Leistungen wird durch den Megatrend der Urbanisierung eine zunehmend kritische Rolle bei der Gestaltung effizienter Logistiksysteme einnehmen. Urbane Logistik ist geprägt durch hohes Stauaufkommen, strenge Emissionsziele, zunehmende Atomisierung des Warenstroms, Zeitkritizität, Regulierungen und eine ausgeprägte Flächenkonkurrenz. Die Digitalisierung der Logistik ist ein Mittel mit IKT-Innovation in diesem Umfeld effiziente Logistiksysteme zu gestalten. Dafür ist über die Analyse der Lastenradlogistik ein Referenzmodell der Vernetzung entwickelt worden. Grundlage sind am ILM durchgeführte Marktanalysen, strukturierte Literaturstudien und Experteninterviews in der Branche.

DHL Express setzt in den Niederlanden das "Cubicycle" ein. (Foto: Deutsche Post DHL)

 

1.1 Intelligente Lastenradlogistik
Die Lastenfahrradlogistik grenzt sich durch Lastenräder als Transportmittel zwischen Knoten (private und öffentliche Institutionen) in der Stadt ab. Intelligente Lastenradlogistik ist, in Anlehnung an Grainic et al. die Beschaffung, Verarbeitung und Verteilung von Informationen mittels IKT für die bessere Umsetzung der logistischen Prozesse, der Infrastruktur und der damit verbundenen Dienstleistungen und bettet sie in analoge Entwicklungsfelder ein.

 

1.2 Lastenradlogistik
Lastenräder können in allen Wirtschaftsbereichen eingesetzt werden und dort (fast) jedes Gut transportieren. Grenzen ergeben sich aus Gewicht und Abmaßen sowie bestimmten Transportanforderungen (z. B. Gefahrgut). Ihr Potenzial ist in ersten Abschätzungen auf 25 % der Fahrten im Lieferverkehr bzw. 23 % der Einzelfahrten im urbanen Wirtschaftsverkehr  bemessen. Bei der logistischen Klassifizierung lassen sich vier wesentliche Ausprägungsformen identifizieren. Lastenräder dienen in der City-Logistik zur Realisierung der letzten Meile, oft eingesetzt durch Subunternehmer verschiedener Logistikketten. Hier ist besonders die zunehmende Verbreitung in der KEP-Branche zu nennen, wobei Kuriere sowohl auf der letzten Meile (als Subunternehmer) wie für direkte Touren in der Stadt eingesetzt werden. In der urbanen Distribution erfolgt die Nutzung in eigener Regie des Versenders oder über Dienstleister. Kurierdienste sind in der Lastenradlogistik unter dem Hintergrund der bereits etablierten Fahrradnutzung stark ausgeprägt. Das Lastenrad kann in diesem Segment das profitabelste Transportfahrzeug sein. Die einzelnen Kurierfahrer sind dabei oft selbstständige Subunternehmer. Seit dem Jahr 2009 ist eine relevante Anzahl an Neugründungen zu vermerken, wobei jedoch bisher die Hälfte nur Jahresumsätze unter 100.000 Euro erzielt. Die Struktur ist demnach als geprägt von jungen, kleinen und wenig kapitalstarken Unternehmen zu bezeichnen.

 

2 Lastenräder
Die Lastenradlogistik erlebt seit 2009 eine Renaissance, dennoch zeigt sich bereits jetzt eine sehr hohe Vielfalt an Akteuren wie Transportmitteln. Für den euro­päischen Markt sind 88 Hersteller mit 166 Lastenradmodellen identifiziert und ausgewertet worden. Sie lassen sich nach Abb. 3 klassifizieren. Während 2-rädrige Modelle über schnelle, dynamische Fahreigenschaften verfügen, zeigen mehrspurige ein deutlich stabileres Verhalten im Stand und bei langsamen Fahrten. Die mögliche Einzelfahrtlänge liegt bei ca. 10 km mit einer Tagesfahrleistung bis ca. 120 km.

 

2.1 Nutzlast und Ladevolumen
Lastenräder zeigen signifikante Unterschiede zwischen den Modellklassen hinsichtlich Nutzlast und Volumen. Bei den 2-rädrigen Lastenrädern können maximal bis zu 135 kg transportiert werden, wobei die Mehrzahl der Modelle unter 100 kg liegt. Bäckerfahrräder zeigen wesentlich geringer ausgeprägte Nutzlasten, was sich über den hohen Schwerpunkt der Ladefläche (über dem Vorderrad) erklären lässt.

Bei den 3-rädrigen Modellen ist eine wesentliche Differenz zwischen den Quantilen der Nutzlast vorhanden. So liegt der Median bei den Heckladern bei 175 kg und bei nur 100 kg bei Frontladern. Ursächlich hierfür ist die Drehschemellenkung Letzterer. 4- und >4-rädrigen Modellen ermöglichen maximale Nutzlasten bis 300 kg. Ein analoges Bild zeigt sich bei dem Ladevolumen. Möglich sind bis zu 2 m3 (0,5 m3 bei 2-rädrigen).

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Autoren: Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Prof. E. h. Dr. h. c. mult. Michael Schenk, Tom Assmann (M.Sc.), Dr.-Ing. Fabian Behrendt

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