Logistik-Bereich
Branche

Innovative Start-ups

Trends

Die Logistik ist wohl aktuell eine der spannendsten Branchen, wenn es um die Frage der Anwendung von neuen Möglichkeiten durch Digitalisierung geht. Die Kreativität, mit der nun über die weitere Professionalisierung der Logistik in Industrie- und Handelsunternehmen, sowie auch bei den Logistikdienstleistern an neuen Prozessen und Anwendungen gearbeitet wird, ist entfesselt worden. Nun hat jedoch die Logistik zum einen eine Logik, die sowohl aus Transaktionen besteht, die digital erweitert und effizienter gestaltet werden können. Zum anderen ist Logistik jedoch auch physische Warenbewegung. Daher ist die Logistik im Sinne der Digitalisierung immer ein hybrides Geschäft, wenn man alle Komponenten einer integrierten Logistik in die Betrachtung einbezieht. Sie ist sozusagen ein cyber-physisch-soziales System. Eine sehr große Aufmerksamkeit haben derzeit die vielen neuen Start-ups in der Branche, die sich mit Ineffizienzen und deren Lösungen beschäftigen oder einfach nur bestimmte Funktionen, welche rein digital realisiert werden können, anbieten.

Der vorliegende Beitrag bietet hierzu einen Überblick, der wohl so bisher nicht möglich war, da die Unternehmensformen und deren Funktionen in einer Gesamtbetrachtung zuvor nicht so umfassend recherchiert wurden. Es wird sich dann jedoch zeigen, welche Ideen der Start-ups es schaffen werden, tatsächliche Relevanz in großen integrierten Logistiklösungen zu erzeugen. Denn es ist ein Unterschied, eine einfache Commodity-Transaktion ins Internet zu verlagern oder eine weltweit integrierte Logistik für eine intermodale Supply-Chain für permanente Warenbewegungen zu planen und täglich zu betreiben. (Dr. Andreas Froschmayer)

 

Zur Bedeutung einer Analyse der Start-ups in der Logistikdienstleisterbranche

Die Logistikdienstleisterbranche wird vor allem von großen und bekannten Unternehmen, wie DHL, DB Schenker und DACHSER, dominiert. Doch getrieben durch neue Entwicklungen wie Cloud Computing, Plattform-Ökonomie, Blockchain, Data Analytics oder Logistics-as-a-Service werden die Geschäftsmodelle dieser etablierten Unternehmen zunehmend herausgefordert und beeinflusst.[1] Die Umsetzung dieser Entwicklungen in neuen Geschäftsmodellen führt dazu, dass in den letzten Jahren, zu den alteingesessenen Marktteilnehmern, auch vermehrt junge Unternehmen mit innovativen Geschäftsmodellen auf den Markt drängen. Diese sogenannten „Start-ups“ schließen oftmals Angebotslücken und konzentrieren sich auf Nischen, die von großen Unternehmen nicht bedient werden.[2] Sie reagieren damit auf neue Herausforderungen in der Branche, wie z. B. den anhaltenden Anstieg des E-Commerce und der Digitalisierung sowie Anlieferungsprobleme auf der letzten Meile.

Start-ups in der Logistikdienstleisterbranche wurden bis dato kaum von der wissenschaftlichen Literatur betrachtet. Die zunehmende Anzahl an Veröffentlichungen in der einschlägigen Fachpresse sowie Meinungen von Branchenexperten legen jedoch den Schluss nahe, dass weiterer Forschungsbedarf über die Bedeutung von Start-ups in der Logistikdienstleisterbranche besteht.

Logistik Startup ­Landschaft

 

Das Start-up-Unternehmen

Die Begrifflichkeit des Start-up-Unternehmens bedeutet frei aus dem Englischen übersetzt „gründen“ oder „in Gang setzen“. Bis dato hat sich allerdings weder in der Wissenschaft noch in der Praxis eine allgemeingültige Definition für den Begriff „Start-up“ durchsetzen können. Die vorliegende Arbeit orientiert sich daher an den Charakterisierungsmerkmalen des Deutschen Start-up-Monitors und legt als Arbeitsdefinition folgende Merkmale fest [3]:

• Start-ups sind jünger als zehn Jahre;
• Start-ups sind mit ihrer Technologie und/oder ihrem Geschäftsmodell (hoch) innovativ;
• Start-ups haben (streben) ein signifikantes Mitarbeiter- und/oder Umsatzwachstum (an).

Damit ein Unternehmen als Start-up für die vorliegende Studie berücksichtigt wird, muss es das erste und eines der beiden weiteren Merkmale erfüllen.

 

Methodik der Bestandsaufnahme

Die Identifizierung der Start-ups in der Logistikdienstleisterbranche erfolgt anhand einer systematischen Dokumentenanalyse, ähnlich eines Literatur-Reviews. Sinn und Zweck der systematischen Analyse ist es, in elektronischen Datenbanken, alle relevanten Zitate zu einer Fragestellung aufzufinden. In der vorliegenden Arbeit wird diese Methodik verwendet, um Start-ups in der Logistikbranche zu identifizieren.

Hierzu wurden jeweils die Suchbegriffe „logistic startup“ und „logistic start-up“ sowie „Logistik Startup“ und „Logistik Start-up“ in Kombination im Rahmen einer Volltextsuche verwendet.

Insgesamt wurden 112 relevante Texte in die Analyse einbezogen, wodurch 224 mögliche Start-ups identifiziert werden konnten. Trotz der ausgereiften Systematik der systematischen Literatursuche können nie alle relevanten Publikationen zu einer bestimmten Forschungsfrage identifiziert werden, wofür es unterschiedliche Ursachen gibt. Neben den Grenzen in der technischen Suche in Datenbanken ist die fehlende elektronische Erfassung von Texten eine der Hauptschwächen des Vorgehens.

Die Studie wurde im Zeitraum Juni bis August 2016 in Kooperation mit dem Unternehmen DACHSER SE durchgeführt.

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Autoren: Univ.-Prof. Dr. Ingrid Göpfert, Dr. Andreas Froschmayer, M.Sc. Patrick Seeßle

Literatur:

[1] Angeleanu, Andra (2015): New technology trends and their transformative impact on logistcs and supply chain processes, in: International Journal of Economic Practices & Theories, 5. Jg. (2015), Heft 5, S. 413 – 419.
[2] Holdorf, Simon/Röder, Janina/ Haasis, Dietrich (2015): Innovative Konzepte für die Logistik­branche. Chancen und Risiken für Start-ups in der Transportlogistik, in: Internationales Verkehrs­wesen, 67. Jg. (2015), Heft 2, S. 34 – 36.
[3] Bundesverband Deutsche Start-ups e.V. (2015): 3. Deutscher Start-up Monitor, Berlin 2015, URL: http://deutscherstartupmonitor.de/fileadmin/dsm/dsm-15/studie_dsm_2015.pdf, 01.08.2017.

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