Logistik-Bereich
Branche

Fachkräftemangel

Personal

Von Altenpflegern bis zu Zahnmedizinern herrscht Not an qualifizierten Fachkräften. Aber nicht nur in diesen Berufen hat sich der Engpass in den vergangenen Jahren verschärft. Auch gerade in der Logistik fehlen Fachkräfte der Lagerwirtschaft und Fahrzeugführer im Straßenverkehr. In vereinzelten Regionen in Deutschland sind offene Stellen faktisch nicht nachbesetzbar, da potenzielle Beschäftigte mit entsprechender Qualifikation fehlen. Somit ist die Fragestellung der Stellenbesetzung eine der aktuellen Herausforderungen der Logistik, die neben den global zunehmenden Handelsunsicherheiten sowie Digitalisierung und Nachhaltigkeitsbestrebungen die Logistikunternehmer treibt. Dieser Artikel gibt einen kurzen Überblick über die aktuelle Beschäftigungssituation in der Logistik sowie die Entwicklung des Fachkräftemangels.

ABB. 1: Top 5 der beschäftigungsintensivsten Wirtschafts­bereiche Deutschlands © Bundesagentur für Arbeit, Fraunhofer SCS

 

Entwicklung seit 2013

Als Querschnittsbranche ist die Logistik eine der bedeutendsten Wirtschaftsbereiche in Deutschland und dennoch in der Statistik nicht ganzheitlich erfasst. Da Logistikbeschäftigte, also Jobprofile, die klar logistische Aktivitäten ausführen (bspw. Lagerfachkräfte, Berufskraftfahrer) in verschiedenen Wirtschaftsbranchen zu finden sind, ist die Logistik als solche nicht als eigene Branche in offiziellen Statistiken erfasst.

Um die Logistik dennoch aus offiziellen Statistiken zu greifen, wird die direkte Logistikbeschäftigung nach dem Jobprofil aus der Statistik der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Personen1 der Bundesagentur für Arbeit isoliert [1],[10]. Eine wichtige Rolle spielen Logistikbeschäftigte demnach nicht nur bei Logistikdienstleistern wie Dachser, DHL oder Hellmann, sondern auch im Handel und Großhandel (z. B. Zalando, Amazon, Baywa, Sonepar), im verarbeitenden Gewerbe (z. B. Automobilindustrie, chemische Industrie) oder sonstigen Dienstleistungen (z. B. im Baugewerbe). Eine detaillierte Betrachtung der Logistikbeschäftigung aus der Statistik zeigt in den letzten Jahren ein stetiges Wachstum und erlaubt es, Besonderheiten der Branche herauszuarbeiten, die eine zielgerichtete Standortentwicklung und entsprechende Reaktionen auf aktuelle Entwicklungen am Arbeitsmarkt unterstützen können. Gemessen an der absoluten Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist die Logistik nach dem Gesundheitswesen und Groß- und Einzelhandel der drittstärkste Wirtschaftsbereich in Deutschland (Abb. 1).

ABB. 2: Entwicklung der Logistikbeschäftigung in Deutschland von 2013 bis 2018 (relativ) © Bundesagentur für Arbeit, Fraunhofer SCS

 

Während 2013 rund 2,41 Mio. sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in der Logistik tätig waren, sind es 2018 bereits 2,84 Mio. Dies entspricht einem Zuwachs von fast 18 %, bzw. über 425.000 Beschäftigungsverhältnissen. Ergänzt man die Betrachtung auf Erwerbstätige (also sozialversicherungspflichtige Beschäftigte zzgl. Selbständiger, Beamter und geringfügig Beschäftigter2), die für oder in Logistikfunktionen tätig sind, resultiert eine Anzahl von 3,26 Mio. Erwerbstätige für das aktuellste aus den verfügbaren Statistiken auswertbare Jahr 2018.

Ein Anteil von 36 % dieser Beschäftigten ist direkt bei Logistikdienstleistern angestellt, rund 40 % sind in Industrie und Handel tätig, und die übrigen 24 % verteilen sich auf sonstige Dienstleister. In der stark männerdominierten (81 %) Logistik zeigt sich seit 2013 eine Verschiebung des Alters hin zu älteren Beschäftigten. So gab es zwischen 2013 und 2018 einen deutlichen Anstieg der 50- bis 66-jährigen, während im gleichen Zeitraum der Anteil jüngerer Beschäftigter stagnierte oder sogar abnahm. Dass es an jungem Nachwuchs fehlt, bestätigen zudem Statistiken der Bundesagentur für Arbeit zum Ausbildungsmarkt 2018/2019. Am stärksten betroffen sind demnach die Berufe in den Bereichen „Überwachung und Steuerung der Verkehrsbetriebe“ sowie „Fahrzeugführer im Straßenverkehr“, bei denen es im letzten Jahr auf ca. vier Ausbildungsstellen lediglich einen Bewerber gab [3].

ABB. 3: Entwicklung der Logistikbeschäftigung in Deutschland von 2013 bis 2018 (absolut) © Bundesagentur für Arbeit, Fraunhofer SCS

Bei „Lager- und Umschlagsberufen“, die mehr als die Hälfte der Logistik­beschäftigten ausmachen, zeigte sich seit 2013 ein kontinuierlicher Anstieg. Insbesondere das E-Commerce Wachstum und das dadurch rasant gewachsene Paketvolumen [4] sind wesentliche Treiber hinter dieser Entwicklung.

Ein weiteres Wachstum der E-Commerce-Sendungen wird sehr wahrscheinlich eine zukünftig weitere hohe Nachfrage nach Logistikbeschäftigten in diesem Handelssegment und bei entsprechenden Logistikdienstleistern hervorrufen. Auch „Transport- und Zustellberufe“ und „Kaufmännische und Verwaltungsberufe“ sind in den zurückliegenden Jahren (bis auf das Jahr 2013) stets gewachsen. Da der deutsche Arbeitsmarkt aufgrund einer sehr positiven allgemeinen Beschäftigungssituation langsam ausgeschöpft ist und der Bedarf der Unternehmen in vielen Regionen längst nicht mehr ausreichend mit inländischen Arbeitnehmern gedeckt werden kann, ist der Fachkräftemangel aktuell eine wesentliche Herausforderung für die Entwicklung der Logistikunternehmen. Die Knappheit an entsprechenden Bewerbern im Inland führte in den letzten Jahren zu einer annähernden Verdopplung des Anteils ausländischer Beschäftigter von 11,9 % (2013) auf 21,7 % (2018).

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Autoren: Alexander Hempfing M.Sc., Dipl.-Ing. Mirjam Opitz, Dipl.-Kfm. Martin Schwemmer

1 Sozialversicherungspflichtige (svp.) Beschäftigte sind alle Arbeitnehmer, die gegen Arbeitsentgelt oder zu ihrer Berufsausbildung beschäftigt sind und ein Einkommen von mehr als 450 Euro monatlich erzielen. D.h. es muss eine Tätigkeit nach Weisung eines Auftraggebers in dessen Arbeitsorganisation ausgeübt werden. Die Meldung und Abfuhr der Sozialabgaben vom Bruttolohn erfolgt durch den Arbeitgeber und die beschäftigenden Betriebe. Ausgeschlossen sind Beamte, Richter, Soldaten, Selbständige und mithelfende Familienangehörige. Beispielsweise zählt demnach ein in Teilzeit angestellter Lagermitarbeiter als svp. Beschäftigter, ein freiberuflicher Architekt, der sich auf die Planung von Logistikimmobilien spezialisiert hat, zählt nicht dazu.
 
2 Diese sind nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt und in den Statistiken der Bundesagentur für Arbeit nicht explizit geführt. Siehe nochmals Fußnote 1.

 

Literatur:

[1] Bundesagentur für Arbeit. (2014-2019): Jährliche Sonderauswertung sozialversicherungspflichtig Beschäftigter nach Wirtschaftsabschnitten der WZ 2008 und ausgeübten Tätigkeiten der Logistik nach der KldB 2010 in Deutschland. Nürnberg: Bundesagentur für Arbeit.
[2] Bundesagentur für Arbeit. (12.2018): Fachkräfteengpassanalyse - Methode und Begriffe. Abgerufen am 13.05.2019 von https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Fachkraeftebedarf-Stellen/Fachkraefte/Fachkraefteengpassanalyse-Methode-und-Begriffe.pdf
[3] Bundesagentur für Arbeit. (2019): Berufsausbildungsstellen und Bewerber für Berufsausbildungsstellen. Nürnberg: Bundesagentur für Arbeit.
[4] Bundesverband Paket & Express Logistik. (2019): KEP-Studie 2019 - Analyse des Marktes in Deutschland. Berlin: Bundesverband Paket und Expresslogistik e.V.


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