Logistik-Bereich
Branche

Erfolgreiche Rekrutierung

Praxis

Vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen wie der Digitalisierung, Globalisierung und der zunehmenden Individualisierung der Kundenanforderungen steht der Logistiksektor vor neuen Problemstellungen. Die steigende Anzahl an Pensionierungen der alternden Bevölkerung sowie das Image der Logistikbranche führen zu großen Herausforderungen bei der Suche nach qualifizierten Logistikfachkräften1. Problematisch ist vor allen Dingen, dass die Tätigkeiten im Logistiksektor kein hohes Ansehen genießen. Vielmehr werden ihre Aufgaben mit wenig attraktiven Arbeitsbedingungen bzw. ­Karrierewegen, niedrigen Löhnen sowie physisch belastenden Aufgaben in Verbindung gebracht. Herausforderung für Unternehmen in der Logistik ist somit, Lösungsansätze für die Mitarbeiterrekrutierung und -bindung zu generieren [1].

ABB. 1: Übersicht der fünf Fokusthemen

 

Maßnahmen zu fünf Fokusthemen

Um die genannten Schwierigkeiten bei der Rekrutierung und Bindung von Logistikfachkräften zu meistern, werden nachfolgend Maßnahmen zu den fünf Fokusthemen Unternehmenskultur, Unternehmens- und Branchenimage, Rekrutierungsprozess, Personalentwicklung sowie Anreizstrukturen erläutert. (siehe Abb. 1) Diese fünf Themen ergeben kein vollständiges Bild, sollen jedoch eine Reihe an möglichen Maßnahmen und Ansatzpunkten für eine verbesserte Rekrutierung und Bindung von Logistikfachkräften aufzeigen.

ABB. 2: Gestaltung einer attraktiven Unternehmenskultur

 

Fokusthema 1: Unternehmenskultur

Das Thema „Unternehmenskultur“ bildet die Grundlage für alle anderen Fokusthemen und wirkt als verbindendes Element. Ziel eines Unternehmens sollte sein, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der – unabhängig vom Arbeits- und Vergütungsniveau – der Mitarbeiter Wertschätzung erfährt, eine kollegiale und vertrauensvolle Arbeitsgemeinschaft herrscht, Offenheit gegenüber Veränderungen und Herausforderungen gelebt und die individuelle Entwicklung gezielt gefördert wird. (siehe Abb. 2) Auf diese Weise steigt die Wahrscheinlichkeit als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden und Logistikfachkräfte länger zu halten. Doch wie genau kann eine attraktive Unternehmenskultur geschaffen werden?

Ein essenzieller Punkt ist die Realisierung von Diversity-Maßnahmen, die die Anerkennung von Vielfalt fördern. Wichtig ist hierbei eine eindeutige Botschaft, die die Existenz von gleichwertigen Chancen, unbeeinflusst von Bildungsgrad, Kultur, Geschlecht oder sexueller Orientierung, hervorhebt. Nicht zu unterschätzen ist dabei auch die Rolle der Führungskräfte, die als Vorbilder wirken sollen. Zur Förderung einer wertschätzenden Unternehmenskultur sollten diese regelmäßig die innerhalb des Unternehmens herrschenden Umgangsformen prüfen sowie konstruktives Feedback geben.

Eine weitere Maßnahme zur Stärkung der Bedeutung und Wichtigkeit der Logistikfachkräfte für das Unternehmen sowie zur Förderung des Austauschs der Mitarbeiter untereinander ist die Ausrichtung von unternehmensübergreifenden Veranstaltungen. Hierbei sind Führungskräfte sowie das Management unbedingt miteinzubeziehen, um zu verdeutlichen, dass sie sich bewusst Zeit für einen Dialog mit den Mitarbeitern nehmen. Im Rahmen dieser Veranstaltungen kann den Mitarbeitern an den Unternehmensstandorten, beispielsweise in einem „Get-Together“, Raum gegeben werden, sich auszutauschen sowie die eigenen Tätigkeiten vorzustellen. Weitere Veranstaltungen, die für den Austausch genutzt werden können, sind regelmäßige Team- und Abteilungsmeetings sowie Betriebsversammlungen.

Darüber hinaus bietet auch ein Video von den Führungskräften mit einer persönlichen Botschaft auf Betriebsversammlungen, eine Möglichkeit, die Arbeit des Teams zu honorieren – denn oftmals können solche kleinen Gesten schon viel bewegen. Insbesondere um auch Berufskraftfahrer zu erreichen, ist das Verteilen von Informationen über Kanäle wie Intranet oder E-Mail zu empfehlen.

 

Fokusthema 2: Unternehmens- und Branchenimage

Die Art und Weise wie das Unternehmen von potenziellen Bewerbern wahrgenommen wird, ist ausschlaggebend, ob sich qualifizierte Logistikfachkräfte bewerben. Deshalb sollten Unternehmen im Rahmen ihres Employer Brandings die vielfältigen Aufgaben in der Logistikbranche sowie Alleinstellungsmerkmale des Unternehmens herausstellen. Zu fokussierende Merkmale können dabei zum Beispiel bei Berufskraftfahrern der Kontakt mit anderen Ländern beim Import und Export, generelle Reisetätigkeiten sowie die damit einhergehenden täglichen neuen Herausforderungen sein. Vorzustellen sind zudem neue Aufgabenprofile und Berufsfelder, die durch die Automatisierung und Digitalisierung entstehen, wie beispielsweise für Lagerlogistikfachkräfte das Programmieren und Instandhalten von Robotern.

Nach außen dargestellt werden kann das Unternehmen zum Beispiel in einem Imagefilm, in dem zur Förderung der Authentizität beispielsweise auch Outtakes integriert werden können. Zur Veröffentlichung eines solchen Imagefilms ist es wichtig, zielgruppenspezifische Kanäle wie Facebook-Seiten, Instagram und TikTok (vor allem für die jüngere Generation) oder Online-Karriereplattformen zu nutzen. Hier können zusätzlich Mitarbeitergeschichten veröffentlicht werden, die Informationen und Emotionen vermitteln und dem Unternehmen ein Gesicht geben [2]. Durch all diese Maßnahmen entsteht für die Logistikfachkräfte und das jeweilige Unternehmen eine digitale Bühne.

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Autoren: Tanja Wallmeier, Marina Gerlich, Marion Heinz


1 Unter qualifizierten Logistikfachkräften werden im nachfolgenden Artikel qualifizierte gewerbliche Fachkräfte, wie z. B. Fachkräfte für Lagerlogistik oder Verteilerfahrzeuge sowie Berufskraftfahrer verstanden.
 
Literatur:

[1] CZERNINPROF, JANINA; SCHOCKE, KAI-OLIVER (2016): HANDLUNGSFELDER DER PERSONALARBEIT IN DER LOGISTIK, STUDIENBERICHT.
[2] RUNKEL, CHRISTIAN (2018): EMPLOYER BRANDING FÜR DIE LOGISTIK - MIT SOCIAL MEDIA EINE ATTRAKTIVE ARBEITGEBERMARKE ENTWICKELN.

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