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Cyber Polygon

Datensicherheit

Cyber Polygon – die laut WEF „weltweit größte technische Trainingsübung für Unternehmensteams“ – geriet zuletzt auf den Schirm der kritischen Öffentlichkeit, nachdem WEF-Gründer Klaus Schwab bei der Eröffnung der Veranstaltung 2020 in dramatischen Worten vor einer groß angelegten Cyber-Attacke gewarnt hatte [1]. Gelinge solch ein katastrophaler Hackerangriff auf die kritische Infrastruktur (wie Strom-, Wasser- und Nahrungsversorgung), wäre die gesamte Gesellschaft lahmgelegt. Die Corona-Krise würde dagegen nur wie „eine kleine Störung“ wirken, prophezeite Schwab damals und mahnte einmal mehr einen globalen Neustart – einen „Great Reset“ – an.

Cyber Polygon ist eines von mehreren Projekten, die das WEF in Kooperation mit internationalen Konzernen, aber auch mit vielen staatlichen Einrichtungen zu digitaler Sicherheit von Unternehmen betreibt. Die verschiedenen Initiativen sind seit 2018 in einem Centre for Cybersecurity versammelt [2]. Die wichtigste Botschaft, die bei den Cybersicherheits-Projekten des WEF teils explizit, teils implizit ausgesprochen wird, lautet: Hacking sei ein globales Problem, das Staaten aufgrund der allgegenwärtigen Digitalisierung in ihren Grundfesten erschüttern könne. Dieser Gefahr könnten Regierungen und Behörden letztendlich nur begegnen, indem sie gemeinsam mit den Konzernen die digitale Überwachung auf sämtliche Lebensbereiche ausdehnen.

Cyber Polygon und die Sberbank

Bei Cyber Polygon spielt die staatsnahe russische Sberbank eine Hauptrolle. Deren IT-Sicherheitsdienstleister BI.Zone liefert das organisierende Fachpersonal für die Übung und aus den entsprechend aufgepeppten IT-Räumlichkeiten der Bank in Moskau wird der öffentliche Teil der jährlichen Cyber-Polygon-Veranstaltung in die Welt gesendet. Zudem holt Sberbank-Chef Herman Gref, der auch eine wichtige Rolle beim WEF spielt, hochrangige russische Staatsvertreter wie den Ministerpräsidenten Michail Mischustin an Bord der Konferenz.

Die Veranstaltung besteht aus zwei voneinander unabhängigen Elementen: ein öffentlicher Teil [3] mit Stellungnahmen und Talkrunden zugeschalteter Konzern- und Staatsvertreter. Meinungsverschiedenheiten gibt es in diesen Gesprächen in der Regel nicht, da alle Beteiligten auf Linie des WEF liegen.

Der andere Teil der Veranstaltung ist eine zweitägige Übung in digitaler Unternehmenssicherheit, wobei die Zuschauer nur wenig Einblick erhalten. Lediglich für wenige Minuten berichten Teilnehmer von BI.Zone im Livestream zwischen den Talkrunden vom Fortgang der Übung. Auch der schriftliche Abschlussbericht [4] bleibt in dieser Hinsicht schmallippig.

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Autor: Stefan Korinth

 

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