Logistik-Bereich
Branche

Bin:Go, die rollende Transportdrohne

Trends

Sowohl im privaten als auch gewerblichen Umfeld ziehen unbemannte Luftfahrzeuge ein immer größeres Interesse auf sich. Während diese sogenannten Drohnen im Hobbybereich schon fest etabliert sind, so steckt der gewerbliche Einsatz, abgesehen von Foto- und Filmaufnahmen, noch in den Kinderschuhen. Insbesondere die Verwendung im industriellen Umfeld und der Einsatz in Umgebungen mit Mitarbeitern gestalten sich problematisch. Hier setzt die rollende Transportdrohne Bin:Go an.

Bin:Go im Einsatz – Ein Prototyp hebt ab

Das Interesse an Drohnen für den privaten Gebrauch ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Was früher nur technikaffine Hobbybastler begeisterte, interessiert nun auch Laien, die damit spielerisch ihre Umgebung erkunden, wie Kinder oder Hobbyfotografen. Laut einer Studie des US-Marktforschungsunternehmens Tractica wird sich der weltweite Absatz von Hobby-Drohnen bis 2021 im Vergleich zur Nachfrage von 2015 verzehnfachen. Dieses Nachfragewachstum ist vor allem durch neue innovative Designs und einer größeren Benutzerfreundlichkeit zu erklären. Das zunehmende Interesse an HD-Aufnahmen sowohl für den privaten als auch für den kommerziellen Gebrauch ist ein weiteres Indiz für die steigende Nachfrage. Aus einer Umfrage vom BDL (Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft) zur Akzeptanz der Nutzung von zivilen Drohnen in bestimmten Bereichen in Deutschland geht hervor, dass Drohnen zudem immer mehr in den Fokus von Unternehmen rücken. So befürworten beispielsweise 77 % der Befragten die Überwachung von Industrieanlagen und 71 % die Nutzung von Drohnen zur Wartung technischer Anlagen. Foto- und Videoaufnahmen von schwer erreichbaren Anlagen, wie Windkraftwerken, Staudämmen oder Brücken erleichtern nicht nur die menschliche Arbeit, sondern stellen auch eine kostengünstigere Alternative zu herkömmlichen Lösungen, wie einem Industriekletterer, dar. Auch die Sicherung der Kameraaufnahmen zu Dokumentationszwecken ist ein wesentlicher Vorteil durch den Einsatz von Drohnen. Weitere Anwendungen, wie 3D-Landvermessungen von Steinbrüchen oder die zusätzliche Anbringung von Sensorik, lassen die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von kommerziellen Drohnen erahnen.

Auch in der Logistik haben Drohen Einzug erhalten. So gibt es vor allem im Bereich der Transportlogistik einige Pilotprojekte von namhaften Unternehmen, wie Amazon Prime Air oder den DHL Paketkopter. Doch stellen rechtliche Rahmenbedingungen derzeit ein großes Hindernis für die Umsetzung der neuen Transportkonzepte mittels Drohnen dar.

Im geltenden Recht in Deutschland, das im Luftverkehrsgesetz (LuftVG) und der Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO) verankert ist, wird die Nutzung kommerzieller Drohnen stark eingeschränkt. Grundlage der rechtlichen Rahmenbedingungen ist eine Kategorisierung von Drohnen zur Nutzung zu Sport- und Freizeitzwecken und anderweitige Nutzung. Drohnen zu Sport- und Freizeitzwecken werden als Flugmodelle deklariert und benötigen, bis maximal fünf Kilogramm Gewicht, keine Aufstiegserlaubnis, wenn Voraussetzungen wie z. B. eine Haftpflichtversicherung erfüllt sind. Gewerbliche Drohnen hingegen benötigen, unabhängig vom Gewicht, eine Aufstiegsgenehmigung durch die Landesluftfahrtbehörde. Jedoch ist absehbar, dass sich die rechtlichen Rahmenbedingungen deutlich verändern werden, sodass kommerzielle Einsatzmöglichkeiten erweitert und zukunftsfähige Entwicklungsmög­lichkeiten gefördert werden können. So werden mehr Betriebsverbote für den privaten Gebrauch beabsichtigt und zugleich der Ordnungsrahmen für die Nutzung gewerblicher „Unmanned Aircraft Systems“ (UAS) weniger stark eingeschränkt. Beispielsweise sollen dann UAS auch außerhalb der Sichtweite des Piloten geflogen werden dürfen. Dies ist nach geltendem Recht nicht erlaubt, weshalb ein vollautonomer Flug derzeitig nicht umsetzbar ist.

Der gesetzliche Rahmen regelt allerdings nur die Nutzung von Drohnen im Freien. Für die Verwendung von Drohnen innerhalb von Gebäuden besteht gegenwärtig keine gültige Rechtsgrundlage aus Sicht des Luftrechts. Die regelnden Instanzen sind hierbei vielmehr die unterschiedlichen Berufsgenossenschaften. Aus diesem Grund werden Drohnen für den innerbetrieblichen Einsatz immer attraktiver, da weniger rechtliche Barrieren überwunden werden müssen. So wurde Bin:Go, eine Drohne für den innerbetrieblichen Transport von klein- und leichtgewichtigen Gütern, am Fraunhofer IML entwickelt. Die innovative Transportdrohne stellt eine neue technische Lösung dar, die im Gegensatz zu konventionellen Fördersystemen flexibel und skalierbar ist. Dies ist ein entscheidender Aspekt, da der Trend zu mehr Flexibilität viele Unternehmen in der heutigen Praxis an ihre Grenzen stoßen lässt. Die bestehende Infrastruktur für den innerbetrieblichen Transport von Gütern stellt oftmals einen zeitkritischen Faktor in der Produktion und Logistik dar. Bin:Go kann als hochgradig flexible Transportdrohne bspw. manuelle Botengänge ersetzen und klassische Fördertechnik überspringen.

Lesen SIe mehr im aktuellen Jahrbuch Logistik

Autoren: Dr. Volker Lange, M.Sc. Philipp Wrycza, M.Sc. Martin Döltgen, B.Sc. Isabel Lorimer

Zurück